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Ehrungen verdienter Ehrenamtler

Uli Liebert
Der stellv. SSB-Vorsitzende Uli Liebert hielt die Laudatien auf die beiden Preisträger. Foto: Andrea Schröder

Es ist seit vielen Jahren eine gute und schöne Übung, dass der Stadtsportbund Bochum im Rahmen seines Jahresempfangs verdiente Sportlerinnen und Sportler für besondere Verdienste um den Bochumer Sport auszeichnet. Dabei legt er sehr enge Maßstäbe an und lässt damit damit diese Auszeichnungen umso wertvoller erscheinen.

In diesem Jahr wurden erneut zwei Persönlichkeiten des Bochumer Sports ausgewählt, die in der Tat keine Fragen nach der Berechtigung einer Ehrung aufkommen lassen. Mit der Ehrenplakette des Stadtsportbundes wurden 2012 Gerd Göldner und Lothar Hesse ausgezeichnet.

Sportplakette für Gerd Göldner

Gerd Göldner
Gerd Göldner. Foto: Andrea Schröder

Die Laudatio von Ulrich Liebert:

Er ist ein Mann der leiseren Töne, der nicht so häufig im Rampenlicht steht und so mussten wir erst durch Dritte auf Gerd Göldner aufmerksam werden. Der Hattinger, geboren 1938 , Mitglied des Wattenscheider TSC (Tauch-Sport-Club) hat große Verdienste in der Disziplin des Finswimmings – bei uns auch als Flossenschwimmen bekannt – aufzuweisen.
Nun  müssen wir erst einmal etwas dazulernen: Was ist Flossenschwimmen?
Auf der Hompage des (Verbands Deutscher Sporttaucher, kurz VDST, wird erklärt: "Hinter dem Namen verbirgt sich eine dynamische, kraftvolle und ästhetische Sportart, die die schnellste Fortbewegungsart des Menschen im Wasser nur unter Ausnutzung der eigenen Muskelkraft und anderer physiologischer Fähigkeiten darstellt. Angelehnt an die Schwimmweise der Delphine schwimmt man mit nur einer Flosse für beide Füße. Finschwimmer erreichen spektakuläre Geschwindigkeiten von weit über 3m/sek auf den Sprintdisziplinen von 50m."

Über Umwege in der Leichtathletik und dem Fußball fand Gerd Göldner Anfang der 70er Jahre seine große Leidenschaft für die Flossenschwimmer. Sein Engagement galt besonders dem Leistungs- und Wettkampfsport. Bereits 1976 wurde er Trainerassistent des Bundestrainers Hans Gerd Conradi, von 1976 bis 1981 war er Bundesjugendtrainer. Von 1974 bis 1986 leitete er in Wattenscheid-Westenfeld das Training als Stützpunkttrainer des Leistungszentrums NRW für Flossenschwimmen.

Flossenschwimmen ist eine Nicht-Olympische Disziplin. Deshalb werden Internationale Wettkämpfe bei den World-Games ausgetragen. Und es war Gerd Göldner, der sich 1981 bei den 1. World Games in Santa Clara (USA) als „Mädchen für Alles“ um den gesamten technischen Ablauf dieser Disziplin kümmerte.

Die Arbeit mit Jugendlichen und die Ausrichtung von Nationalen und Internationalen Wettkämpfen war für Ihn immer eine besondere Herausforderung. Bereits 1978 richtete Gerd Göldner im Unibad Querenburg die ersten Deutschen Jugendmeisterschaften der Flossenschwimmer aus. Im damaligen Sportamtsleiter Walter Malendorf fand er für sein Bemühen große Anerkennung und Unterstützung.

Wir alle wurden vor wenigen Tagen an die geschichtlich wichtige 50-jährige Deutsch-Französiche Freundschaft erinnert. 1978 entwickelte sich auch zwischen dem deutschen und dem französischen Tauchsport-Verband eine Freundschaft, die es zu pflegen galt. Und so wurde Gerd Göldner 1984 zum Referenten für die Deutsch-Französiche Zusammenarbeit bestellt. Seitdem hat er 33 Deutsch-Französische Jugendbegegnungen organisiert und geleitet. Im Dezember 2012 wurde er vom französischen Verband für sein ehrenamtliches Engagement in der Deutsch-Französischen Zusammenarbeit ausgezeichnet und mit der Goldenen Plakette, der höchsten Auszeichnungsstufe des französischen Verbandes, geehrt.

Ist das nicht des Engagement genug? Nein - nicht für Gerd Göldner. Bei allen World Games von Duisburg über London bis Santa Barbara ist Gerd Göldner als Technischer Leiter tätig, und die Internationalen Kontakte führten 1984 auch zu einer Einladung in die Volksrepublik China zu einem Länderkampf. Was wiederum dazu führte, dass 1986 eine Delegation der Volksrepublik China an den Weltmeisterschaften im Finswimming in Berlin teilnehmen konnte - Organisationsleiter war natürlich Gerd Göldner.
Seit 1991 ist Gerd Göldner von seinem Verband als Antidopingbeauftragter benannt und von 2006 bis heute ist er 1. Vorsitzender der Antidopingkommission im Verband Deutscher Tauchsportler. Als Trainer der Disziplin Flossenschwimmen kümmert sich Gerd Göldner bis heute in den Stützpunkten Wattenscheid, Hattingen und Dortmund um die Jugendarbeit und fördert besonders auch die Arbeit mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

An 35 bis 40 Wochenenden ist er ehrenamtlich im Einsatz für den Sport. Da bleibt nicht viel Zeit für andere Interessen und so ist Gerd Göldnerdankbar für die Toleranz und Hilfe seiner Frau, die ihn in all seinen Aktivitäten unterstützt.

Ausgezeichnet wurde Gerd Göldner bisher:

1982 Silbernen Ehrennadel des VDST
2005 Goldene Ehrennadel des VDST
2008 Ehrendiskus der Deutschen Sportjugend (dsj)
2011 Goldene Ehrennadel des TSV NRW
2011 Bundesverdienstkreuz am Bande
2012 Sportplakette des Landes NRW
2012 Goldene Ehrenplakette des Franz. Tauchsportverbandes
und heute – endlich – "on the Top“ – die Ehrenplakette des Stadtsportbundes Bochum!

Herzlichen Glückwunsch Gerd Göldner

Sportplakette für Lothar Hesse

Lothar Hesse
Lothar Hesse. Foto: Andrea Schröder

Verehrte Sportfreunde, schauen wir uns doch mal hier im Saal um. Wem von unseren Gästen trauen Sie drei Weltmeistertitel zu? Doch er ist hier unter uns. Nicht mehr ganz frisch, wie er selber sagt, Jahrgang 1946, aber noch immer topfit und eine Perle der Bochumer Leichtathletik. Die Rede ist von Lothar Hesse vom TV Wattenscheid 01 Leichtathletik.

Er wurde mit einer Behinderung geboren. Sein Krankheitsbild als Tetraspastiker bestimmte seinen Lebensweg und seine beruflichen Chancen. Sport kommt in den ersten 30 Jahren seines Lebens nur als Zuschauer vor. Mit 38 Jahren erkrankt er ernsthaft, und sein Arzt gibt ihm den Rat, so gut es geht, etwas zu laufen oder joggen, um vielleicht seine Muskulatur und seinen gesamten Organismus zu stärken. Der Arzt gibt ihm mit auf dem Weg, dass er es wohl nie zu einem Marathon schaffen würde, aber ein Lauf durch den Stadtpark sei ja auch schon was. Das hätte er nicht sagen sollen! Denn damit war der sportliche Ehrgeiz von Lothar Hesse geweckt. Er trainierte und lief was die Schuhe hergaben. So wurden daraus: sechs Marathonläufe, darunter zweimal der Berlin-Marathon und einmal der New York-Marathon. Dazu lief er achtmal Halbmarathon um den Nürburgring - eine Leistung, die ich persönlich sehr gut einschätzen kann - und die manche mit dem Auto nicht schaffen.

Aber schon bald reichte ihm die reine Teilnahme nicht mehr aus und so setzte er sich beim New York Marathon das Ziel die Strecke unter vier Stunden zu bewältigen. Er schafft es - natürlich - in 3:58 und war damit über 20 Minuten vor dem nächsten Läufer mit Behinderung im Ziel. Nach wenigen Jahren entdeckte Lothar Hesse seine Liebe für weitere Disziplinen der Leichtathletik und trainierte beim TV Wattenscheid 01. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Er ist ein Kämpfer - mit eisernem Willen und strenger Disziplin. Was er anfängt bringt er zum Erfolg. So glückte ihm bei den Behinderten-Weltmeisterschaften in Assen 1988 eine mehr als imposante Leistiung: Er sicherte sich gleich drei Weltmeistertitel: im Speerwerfen, Kugelstoßen und mit dem Diskus.

Seine Teilnahme an den Paralympics 1992 Barcelona und 1996 Atlanta führten ihn immer zu Top-Platzierungen zwischen Rang fünf und sieben. Über die Paralympics 2000 in Sydney schweigen wir – da war er nicht stromlinienförmig und wurde aus dem Kader gestrichen.

Unzählige Titel bei Deutschen Meisterschaften komplettieren seine außergewöhnliche Erfolgsbilanz. 2004 beendete er seine persönliche sportliche Laufbahn auf höchster Ebene und er darf voller Stolz behaupten: „Ich habe alles gewonnen, was es zu gewinnen gab, aber eigentlich wollte ich nur was für meine Gesundheit tun."

Doch nach seiner aktiven Laufbahn ging es erst richtig los: 1991 gründete Lothar Hesse bemi TV Wattenscheid 01 die Abteilung Behindertensport. Unterstützt und motiviert durch den Mäzen und unvergessenen Förderer des Sports, Klaus Steilmann, war er jetzt auch für andere Athleten mit Behinderungen ein Vorbild und Motor. Selbstverständlich erarbeitete sich Lothar Hesse in kürzester Zeit alle Übungsleiter- und Trainerscheine, die es gab. Er absolvierte die Ausbildung zum Vereinsmanager. In der zeitweise 50 Mann starken Abteilung übernimmt Lothar Hesse bis heute alle Aufgaben und er bezeichnet sich selbst liebevoll als „Vereinsblödmann, der  ALLES macht.

Er selbst beschreibt seine Zeit als Trainer mit Glanz in den Augen. Regelmäßig hatte er Klaus Steilmann Bericht zu erstatten und er bekam was der Behindertenabteilung gerade fehlte. Auch hier ließen die Erfolge nicht lange auf sich warten. Wir alle erinnern uns an die Paralympics 2004 in Athen an Wojtek Czyz, der Athlet mit der Karbonprothese am linken Unterschenkel. Er startete für den TV Wattenscheid 01 in drei Disziplinen und wurde dafür mit drei Goldmedaillen belohnt. Insgesamt sechs Medaillen brachten die Athleten mit nach Wattenscheid. Und natürlich war Lothar Hesse der Trainer! Oder zuletzt bei den Paralympics 2012 in London. Gold für Sebastian Dietz im Diskus sowie ein fünfter Platz für Tamira Slaby über 200m - beide trainiert von Lothar Hesse.

Er ist ein Ausnahmeathlet und Ausnahmefunktionär. Immer geradeaus, ob im Verein oder im Verband. Es sagt, was zu sagen ist, und er tut, was zu tun ist. Und zu Recht darf er erwähnen, dass sein Verein mit der Abteilung für Behindertensport zeitweise der erfolgreichste Verein der Welt war.

Gefragt nach weiteren Plänen, schaut er seine Frau an sagt: "Jetzt denken wir auch mal an uns, möchten mal richtig Urlaub machen. Wenn der Verein uns lässt..." Im Gehen dreht er sich noch einmal um, deutet auf seine Frau und macht in der Sprache seiner Heimatstadt klar: "Ohne sie hätte ich dat allet nich gepackt."

Für sein erfolgreiches Wirken im und für den Bochumer Sport erhält Lothar Hesse die Ehrenplakette des Stadtsportbundes.

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