Stolz auf Gold: Ilja Reimchen mit seiner Medaille nach dem sensationellen Sieg. Foto: TV Wattenscheid 01
Die Deutschen Meisterschaften in der U18 und U23 im Sportpark Lohrheide vom 03. bis zum 05.07.2026 waren ein erfolgreiches Pflaster für die kleine Wattenscheider Mannschaft. Überraschend Gold gewann Ilja Reimchen im Sprint.
Silber ging jeweils an Diskuswerferin Favour Adesokan und Sprinterin Jolina Ernst, die zweimal Silber, über 100 und 200 Meter holte. Ilja Reimchen sorgte in der U18 am Samstag (04.07.) für einen Tag, den er und der TV Wattenscheid 01 Leichtathletik e.V. lang nicht vergessen werden. In der DLV-Jahresbestenliste über die 100 Meter eher unter ferner liefen gelegen, sprintete er in seinem Vorlauf zu einer neuen persönlichen Bestzeit (10,74 Sekunden), gewann das Rennen und wiederholte das Kunststück im Halbfinale mit dem ersten Platz und einer neuen „PB“ (10,70). Dann, im Finale, noch einmal das gleiche Spiel, auch wenn es dort erwartungsgemäß enger war als in Vor- und Zwischenrunde. Ilja Reimchen, Jahrgang 2010, also gerade erst der U16 entwachsen, drückte seinen Oberkörper ruckartig über die Ziellinie, das brachte den Unterschied. Nach Auswertung des Zielfotos war klar: der 100-Meter-Titel in der U18 geht nach Wattenscheid. Die Zeit: 10,56 Sekunden, so schnell wie nie für den Schüler.
Das reichte locker für die EM-Norm. „Ich habe das einfach nicht erwartet. Ich habe seit Monaten Rückenprobleme. Der Physio hat mir heute richtig gut geholfen. In jedem Lauf eine neue PB, das war wirklich unglaublich. Ich bedanke mich bei meiner Trainerin Monika Merl, die für mich da war und mich motiviert hat“, sagte Ilja Reimchen laut leichtathletik.de nach dem Rennen. „Eigentlich habe ich selbst nicht damit gerechnet“, sagte er dann mit einem Tag Abstand. „Ich habe mich sehr fit gefühlt und eigentlich hatte ich nichts zu verlieren. Ich hatte mir vorher die Zeiten angeguckt und gedacht: Dritter kann ich werden. Meiner Trainerin hatte ich gesagt, dass ich 10,60 laufen kann. Dann waren es 10,56, da habe ich mich selbst übertroffen.“
Am Sonntag ging es dann nicht mehr weiter für Ilja Reimchen: Über 110 Meter Hürden ebenfalls qualifiziert, sagte er seinen Start ab. „Das war eine Vernunftsentscheidung“, sagte Trainerin Monika Merl, wir wollten nichts mehr riskieren, nachdem er das Ticket für die EM in Italien sicher hatte.“
Jolina Ernst gewann über die 100 Meter der U23 am Samstag die Silbermedaille, in neuer Saisonbestzeit von 11,33 Sekunden. Trainer und Vater André Ernst verfolgte das Finale von der Tribüne: „Sie rennt sich da noch ein bisschen fest, aber der Sprung unter die 11,30 kommt bald“, sagte Ernst recht zufrieden. Das war Jolina Ernst nach dem Rennen nicht. Die Silbermedaille sei zwar eine schöne Sache, aber: „Mittlerweile ist mein Anspruch so hoch, dass dann doch das Ziel war, hier zu gewinnen. Meine Familie, meine Freunde sind hier, ich habe auch schon ein Plakat gesehen. Ich freue mich schon auf die Deutschen Meisterschaften Ende Juli, wenn es hier richtig voll wird. Mein Ziel ist dann auf jeden Fall ein Platz weit vorn im Finale. Bei Deutschen Meisterschaften kann immer alles passieren“, sagte Jolina Ernst nach dem 100-Meter-Finale im Interview mit Radio Bochum. Milena Sprung würde über 100 Meter Sechste im Halbfinale, in 11,93 Sekunden.
Über die 200 Meter waren auch beide unterwegs: Jolina Ernst gewann wieder Silber, in einer neuen persönlichen Bestleistung von 23,11 Sekunden. „Ich bin total erschöpft, aber auch superfroh, muss ich sagen, ich bin eine richtig starke PB gelaufen, ich bin mehr als zufrieden, sagte Jolina Ernst direkt nach dem Rennen. „Ich wollte diese Goldmedaille sehr, deswegen habe ich hinten raus so sehr gekämpft.“ Milena Sprung erreichte das B-Finale und wurde da Zweite – mit einer 24,19, einer neuen persönlichen Bestleistung, einer Steigerung von fast vier Zehnteln.
Über die 200 Meter war auch Samuel Franke-Göhausen auf der Bahn, zeigte ein ganz starkes Halbfinale mit einem zweiten Platz, einer Zeit von 21,30 Sekunden (PB) erreichte das Finale über die Zeit. Da war dann die Zeit nicht mehr ganz so stark (11,41 Sekunden), aber immer noch gut genug für einen sehr guten vierten Platz.
Noch nicht ganz gereicht zu Gold hat es für Favour Adesokan in der U23-Diskus-Konkurrenz. Doch der Silberrang mit 55,74 Metern im letzten Versuch am Freitagabend ist mehr als aller Ehren wert. Schließlich ist Favour Adesokan erst Jahrgang 2008, also noch in der U20 startberechtigt. Nächstes Wochenende, bei den Deutschen U16/U20-Meisterschaften im Sportpark Lohrheide, gibt es die nächste Möglichkeit auf Gold im „Heimspiel“.