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SSB zeichnet vorbildliche Ehrenamtler aus

SSB-Vorstandsmitglied Jürgen Niedringhausen hielt die Laudatien auf Gerti Weimer und Heinz Fischer.

SSB-Vorstandsmitglied Jürgen Niedringhausen hielt die Laudatien auf Gerti Weimer und Heinz Fischer.

Bildquelle: Schröder

Es ist seit vielen Jahren eine gute und schöbe Übung, dass der Stadtsportbund Bochum im Rahmen seines Jahresempfangs verdiente Sportlerinnen und Sportler für besondere Verdienste um den Bochumer Sport auszeichnet. Dabei legt er sehr enge Maßstäbe an und lässt damit damit diese Auszeichnungen umso wertvoller erscheinen. In diesem Jahr wurden zwei Persönlichkeiten des Bochumer Sports ausgewählt, die in der Tat keine Fragen nach der Berechtigung einer Ehrung aufkommen lassen. Mit der Ehrenplakette des Stadtsportbundes wurden 2010 Gerta Weimer und Heinz Fischer ausgezeichnet.

Gerti Weimer und Heinz Fischer

SSB-Empfang39

SSB-Vorstandsmitglied Jürgen Niedringhausen (li.) und SSB-Vorsitzende Gaby Schäfer (re.) überreichen Heinz Fischer und Nicole Weimer die Sportplakette.

Laudatio von Jürgen Niedringhausen:

Zunächst zu Gerta Weimer, unserer großen Dame des Bochumer Rollkunstlaufes. Sie war und ist Vereinsvorsitzende, Fachschaftsleiterin, Mäzen und Vorbild für viele der heutigen Rollkunstläuferinnen und Rollkunstläufer. Dazu verrate ich Ihnen ein kleines Geheimnis: Bei all ihren Erfolgen hat sie nie selbst auf Rollschuhen gestanden.
Wie kommt dann eine junge Frau zum Rollkunstlauf? Alles begann wie so oft mit den eigenen Kindern. Angespornt vom Bruder und von Freund Frank Müller (viele Bochumer können sich noch an das Geschäft „Hut Müller“ im Bochumer Stadtbad erinnern. Müller war selbst Rollkunst- und Eisläufer der deutschen Spitzenklasse) ging sie mit ihren beiden sechs und acht Jahre alten Mädels mal beim Training des Bochumer Rollsportvereins vorbei. Das war 1954, und man trainierte auf dem etwas holprigen Belag der Radrennbahn an der Hattinger Straße. Den Mädchen machte es großen Spaß und sie entwickelten einen großen Ehrgeiz, von dem Mutter Weimer mitgerissen wurde.
Gerti ist gelernte Hutmacherin, und so ist das Nähen und Schneidern kein Problem. Schon damals nähte sie für ihre Töchter die schönsten Kleider und Kostüme.
Schließlich wurde die ganze Familie Mitglied beim SV Eintracht Grumme.
Nachdem 1966 der Vereinstrainer plötzlich verstarb, wurde Tochter Anne der Trainerposten angeboten, den sie mit Unterstützung – vielleicht war auch sanfter Druck dabei – ihrer Mutter auch übernahm. Gerti hingegen wurde in den Vorstand gewählt und war fortan die Kämpferin und Publizistin des Bochumer Rollsports.
1978 wurde sie zur Fachschaftsleiterin für den Rollsport gewählt. Hier kämpfte sie an allen Fronten für eine eigene Trainingsbahn, die sie schließlich 1986 vor der damaligen Ruhrlandhalle erhielt. Die Sportpolitiker unserer Stadt und Sportverwaltung konnten sich dem engagierten Drängen unserer Gerti einfach nicht entziehen.
Tochter Anne war weiterhin als Trainerin aktiv, und Enkelin Nicole setzte die sportliche Laufbahn ihrer Mutter und Großmutter fort. Der gerechte Lohn für viele Mühen und Entbehrungen waren für Nicole zwischen 1991 und 1996 drei Europameistertitel und jeweils vierte Plätze bei den Weltmeisterschaften in Australien und Argentinien. Gerti war natürlich fast immer dabei – als Motor, als kritische und aufmunternde Stütze und oft genug auch als Sponsor.
Doch auch in Bochum setzte sie ihre Aktivitäten fort. 1980 wurde der heutige Roll- und Eissportverein Bochum gegründet. Ein Vorstand ohne Gerti Weimer – einfach undenkbar. Auf die Kompetenz und das außerordentliche Engagement konnte und wollte man nicht verzichten.
Als die Ruhrlandhalle dem Neubau des Ruhrkongresses weichen musste, wurde auch die Trainingsbahn Opfer der Neuordnung in diesem Bereich. Doch wer geglaubt hatte, die Sache wäre damit erledigt, hatte nicht mit Gerti gerechnet. Unverzagt nahm sie sofort den Kampf mit der Politik und den Ämtern wieder auf. Sie kämpfte nicht nur, sie gewann auch. Ihr Siegerpreis war und ist die Trainingshalle für den Rollkunstlauf im Harpener Feld.
Zu loben sind auch ihre Bemühungen bei öffentlichen Veranstaltungen des Vereins. Die Weihnachtsmärchen waren und sind noch immer eine Attraktion. Es begann bereits in den 70er Jahren mit Auftritten auf dem Weihnachtsmarkt. Mangels Bühne wurde die schöne, glatte Fläche des Autoscooters für die Rollschuhvorführungen genutzt. Es folgten Auftritte in Altenheimen und Krankenhäusern sowie die Gala als jährlicher Höhepunkt. Gerti entwarf und nähte nächtelang die Kostüme für alle Mitwirkenden. Unermüdlich ihr Einsatz bei Veranstaltungen. Wenn vorne die Show lief, saß Gerti hinten in der Garderobe und flickte in Windeseile alles, was gerade zerrissen war.
Unvergessen auch die vielen Teilnahmen am Bochumer Maiabendfest. Sie motivierte den ganzen Verein und die ganze Familie. An der Spitze der Bochumer Sportler zog die heute 87-jährige Gerti bis vor drei Jahren mit ihren Mädels nach Harpen und trug stolz das Banner des Stadtsportbundes. Natürlich hat sie auch für dieses Ereignis über 50 Kostüme genäht.
Bis 2009 war Gerti Weimer Fachschaftsleiterin im Hauptausschuss des Stadtsportbundes. In all den Jahren hat sie uns kritisch, aber auch mit viel Motivation und Engagement begleitet.
Ihre momentane Gesundheit erlaubt es Gerti Weimer nicht, heute die Ehrenplakette des Stadtsportbundes persönlich entgegenzunehmen. Aber sie wird würdig vertreten durch ihre Enkelin Nicole, die als erfolgreiche Trainerin des Bochumer Rollkunstlauf das Werk von Gerti weiterführt.

Die Ehrenplakette des Stadtsportbundes Bochum erhält als weitere Persönlichkeit des Bochumer Sports Heinz Fischer.
Die Merkmale von Heinz Fischer wurden einmal so beschrieben: „Er ist rank und schlank wie ein Damenflorett.“ Dem heute 78-jährigen Vorsitzenden der „Fecht- und Sportgemeinschaft Ruhr-Wattenscheid“ kann und muss ein riesiges Organisationstalent bescheinigt werden. Daneben haben wir hier eine Parallele zu Gerti Weimer: „Ich kann nicht fechten.“ Das sind die ersten Worte bei jedem Interview, das man mit ihm führt.
Ja, und wie kam er dann zum Fechtsport? Wie so oft – und hier haben wir die nächste Parallele zu unserer Gerti – über die Kinder. Der Sohn wurde beim Fußballsport bei der SG Wattenscheid 09 nicht so richtig glücklich. Aber etwas Sport sollte es nach Auffassung der Eltern Heinz und Babette schon sein. Also wurde mit ausgeschnittenen Sportbildern eine neue Sportart ausgelost. Das Los entschied damals für das „Fechten“. Somit musste der Sohn auf die Planche. Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass dem Sohnemann später auch seine Schwester folgte. Folgerichtig war es dann nur, Vater Heinz in ein Ehrenamt im Vorstand der FSG zu bitten oder zu drängen.
Heinz Fischer traute sich was. Er organisierte große Turniere, machte hervorragende Lobby- und Pressearbeit und führte den Verein. Seit 1988 ist er Vorsitzender.
Bereits zum 25. Mal organisierte Heinz Fischer im Dezember 2009 das Weltcupturnier im Damenflorett der Junioren. Junge Damen aus aller Welt zieht es jeden Jahren im Dezember in die Dreifach-Sporthallen an der Markstraße. Wurden die ersten Turniere noch vom heimischen Küchentisch aus organisiert, ist das Weltcupturnier nicht erste heute in seiner 25. Auflage ein Sportevent der ersten Klasse.
Heinz Fischer betont immer wieder, dass er den Erfolg natürlich nicht allein für sich in Anspruch nehmen kann. Zahlreiche Helfer und Mitstreiter im Verein, die Sponsoren und die beteiligten städtischen Ämter haben zum Erfolg beigetragen.
Aber all diese Erfolge wären ohne die Unterstützung der Frau an seiner Seite nicht möglich gewesen. Seine Ehefrau Babette, mit der er in diesem Jahr 50 Jahre verheiratet ist, hat alle Höhen und Tiefen mit ihm durchgestanden. Sie war neben und hinter ihm, als es vor vielen Jahren gesundheitlich einmal nicht so günstig um ihn bestellt war. So war es doppelte Freude, dass sie an seiner Seite die Erfolge seiner Ehrenamtstätigkeit mitfeiern konnte.

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